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Geschichte der Naturfarben

Bekanntlich bin ich nicht der einzige Farbenhersteller, der so produziert. Vor 20 Jahren begannen in der Lüneburger Heide eine kleine Gruppe von Studenten nach alten Rezepten Wachse und Öle herzustellen, die als Reaktion auf die damals aufkommende allgemeine Verunsicherung durch die bekanntgewordenen Schäden durch Holzschutzmittel bald guten Absatz fanden. Aber von der Fachwelt wurden sie belächelt, ausgelacht, lächerlich gemacht. In dieser noch nicht lang zurückliegenden Zeit herrschte noch die unreflektierte Fortschrittsgläubigkeit, die erst in unseren Tagen leichte Risse aufweist.

Aus der ersten Naturfarbenfirma LIVOS entwickelte sich dann eine ganze Reihe von Konkurrenzunternehmen. Alle produzieren nach den nur gering von den Grundrezepten abweichenden gleichen Methoden.

Der Marktanteil der Naturfarben beträgt heute immer noch nur ca. 3%. Der Rest wird von der Chemischen Industrie abgedeckt. Aber dieser Naturfarben-Impuls hat in der ökologischen Bewegung einiges bewirkt. Nicht zuletzt weil gerade durch die Lösemittel-Emissionen und Ausgasungen anderer Bestandteile der Farben die ökologische Krise mit der eigenen Nase deutlich empfunden werden konnte.

Aufbau der Naturfarben

Wie unterscheidet sich eine Naturfarbe nun von einer ihr nachgebauten Chemiefarbe?

Grundsätzlich bestehen alle Farben, Kleber und Pflegemittel aus:

  • Bindemitteln (z.B. Leinöl oder Acrylat).
  • Füllstoffen und Wirkstoffen (Kreide oder Titandioxid).
  • Farb-Pigmenten (Erdfarben oder synth.Farben).
  • Lösemitteln (nat.Terpentin aus Kiefern od.Orangen oder Terpentinersatz).
  • Hilfsstoffen wie Lösungsvermittlern, Konservierungs- und Trockenstoffen (Kasein , synth.Emulgatoren).
  • Oft kann ein Rohstoff sowohl als Bindemittel als auch als Wirkstoff, Pigment usw. eingesetzt werden. Es kommt also darauf an, welche Stoffe verwendet werden, wie sie miteinander, und wie die Produkte nach außen wirken.

Ökologisch betrachtet sollten alle Produkte, die wir Menschen herstellen, der Natur nachgebildet sein, d.h. sie sollten das ökologische Gleichgewicht nicht stören, nicht bei der Herstellung, nicht beim Gebrauch und nicht bei der Entsorgung. Jeder Rohstoff sollte vor dem Einsatz in Bezug auf diese drei Kriterien diskutiert werden. Das Ergebnis ist meist, daß der Einsatz von Rohstoffen aus nachwachsenden Ressourcen am sichersten ist. Übrigens wird Erdöl oft auch als Naturstoff bezeichnet, es kommt ja auch noch nicht vom Mond oder Mars, aber es wird erst (wenn überhaupt) in 20 Millionen Jahren nachgewachsen sein. Alle Pflanzenöle, wie Leinöl und Holzöl erfüllen die drei ökologischen Kriterien und sie wachsen nach. Natürlich muss der Produktionsprozess der Pflanzen gut geplant werden. Flachs aus dessen Leinsamen das Öl gepresst wird, darf den Boden nicht durch unkontrollierten Großanbau auslaugen.

Nun gibt es unter den Bestandteilen der Naturfarben auch Rohstoffe wie Kreide, Gesteinsmehl, Talkum und Erdfarben-Pigmente, die wie das Erdöl nicht nachwachsen. Diese Natur-Rohstoffe greifen jedoch nicht in das ökologische Gleichgewicht ein, nicht beim Abbau, nicht bei der Produktion und nicht beim Gebrauch und bei der Entsorgung. Für das Lösemittel Terpentin, das aus dem Kiefernharz hergestellt wurde, ist das Surrogat Terpentinersatz, ein Erdölderivat. An diesem Stoff lässt sich vieles verdeutlichen. Die eigentlichen Löser im Terpentinersatz sind Benzol, Toluol, Phenol und Xylol. Diese sogenannten Aromaten wirken krebserregend. Auf der einen Seite bringen uns diese Stoffe der Petrochemie eine Unabhängigkeit von der Natur, von den schwankenden, erntebedingten Rohstoffpreisen, auf der anderen Seite entstehen riesige Probleme, gesundheitliche, technische, eben ökologische.

Da verhalten sich die Produkte der Naturfarben-Hersteller ganz anders. Es zeigt sich immer wieder, dass eine mit Naturölen gepflegte Holzfläche weiterhin „atmen“ kann, dampfdiffusionsfähig und sorptionsfähig bleibt, sich gut anfühlt. Eine Wand mit einer Kasein-Naturharzfarbe gestrichen verbessert das Raumklima. Ein Naturharz-Latex-Kleber gibt keine giftigen Gase ab. Und ein mit Bienenwachs gepflegter Fußboden reduziert die elektrostatische Aufladung und damit die Staubbildung im Wohnraum.

Der Gesetzgeber hat in dem Bestreben dem Verbraucher einen Hinweis auf ökologischere Produkte zu geben den „Blauen Engel“ geschaffen. Hierbei handelt es sich um ein Siegel, welches darauf hinweist, dass dieses Produkt ökologischer ist als sein Vorgänger. Das bedeutet, dass Naturfarben und Fahrräder keinen Blauen Engel bekommen. Anders jedoch Toilettenpapier, das energieeinsparend produziert wurde. Die Idee des Blauen Engels wurde tatsächlich im Anschluss an die Ölkrise erfunden. Plötzlich war allen Menschen klar geworden, dass Erdöl auch einmal ein teurer Rohstoff werden könnte. Anstatt alles daranzusetzen alternative Energie- und Rohstoffquellen zu erforschen, haben wir uns fürs Sparen entschlossen. Wie inkonsequent dies jedoch gehandhabt wird, sehen wir an den sogenannten Blauen-Engel-Wasserlacken. Hier wurde das Lösungsmittel Terpentinersatz zu 90% durch Wasser ersetzt. Hinein kamen aber Acrylate, die wiederum sehr energieaufwendig aus dem Erdöl hergestellt werden und es bleibt noch mindestens ein Rest von 3 bis 15% an Terpentinersatz und Glykolen, mit allen gesundheitlichen Bedenken. Aber das steht nicht auf dem Etikett.

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